Rettungsgasse bilden: So sehen die Regelungen seit 2017 aus

Bei dichtem Verkehr, Stau oder einem Unfall ist laut Gesetz eine Rettungsgasse zu bilden.

Bei dichtem Verkehr, Stau oder einem Unfall ist laut Gesetz eine Rettungsgasse zu bilden.

Im Notfall zählt jede Minute. Das gilt nicht nur für die Erste Hilfe, sondern beispielsweise auch bei der Bildung einer Rettungsgasse auf der Autobahn. Bis 2016 waren die Regelungen kompliziert und führten in der Praxis immer wieder zu Schwierigkeiten.

In diesem Ratgeber erklären wir, wie die Rettungsgasse seit 2017 zu bilden ist und was droht, wenn Sie die Polizei oder die Feuerwehr bei Einsatzfahrten behindern. Außerdem erklären wir, ob es erlaubt ist, den Standstreifen zu befahren. Wird die Rettungsgasse auf drei- bzw. vierspurigen Straßen unterschiedlich gebildet? Das Video, welches Sie in diesem Ratgeber finden, zeigt das Vorgehen auf anschauliche Art und Weise.

Die Rettungsgasse in der StVO

Wie sämtliche Verkehrsregeln, an die sich die Verkehrsteilnehmer halten müssen, finden sich auch die Bestimmungen zur Rettungsgasse in der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO). Hier hießt es in § 11:

Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.

Bis 2016 war dies nicht so klar formuliert. Den Autofahrern war nicht bewusst, wann genau die Rettungsgasse zu bilden ist.

Nun heißt es im Gesetz, dass dies sofort erfolgen muss, wenn die Autofahrer auf einer Autobahn oder Schnellstraße Schrittgeschwindigkeit fahren oder der Verkehr zum völligen Erliegen kommt.

Zudem ist die Rettungsgasse bei vier Fahrspuren nun nicht mehr mittig zu bilden. In der Praxis führte dies häufig zu Verwirrung, da manch ein Kfz-Fahrer nicht wusste, auf welcher Spur er sich befindet.

Die Rettungsgasse in Deutschland: Wo ist die Gasse für Rettungsfahrzeuge zu bilden?

Die Rettungsgasse ist relevant auf mehrstreifigen Fahrbahnen. Dies kann eine Autobahn sein, aber auch manch eine Schnellstraße weißt zwei oder mehr Fahrstreifen auf. Egal, ob die Rettungsgasse nun auf einer zwei-, drei-, oder vierspurigen Fahrbahn zu bilden ist: Sie funktioniert immer gleich.

Die Autos auf der linken Spur fahren nach links. Alle anderen Fahrer fahren nach rechts weg. In Ausnahmefällen können die Fahrer der ganz rechten Spur den Standstreifen mitnutzen.

Abstand halten ist das A und O

Wo wird die Rettungsgasse auf einer dreispurig befahrenen Straße gebildet?

Wo wird die Rettungsgasse auf einer dreispurig befahrenen Straße gebildet?

Gerade auf Schnellstraßen und Autobahnen passieren aufgrund der hohen Geschwindigkeit schlimme Unfälle. Die Rettungsgasse sollte dann umgehend gebildet werden, sodass die Einsatzkräfte so schnell wie möglich zu den Verletzten vorfahren können.

Bilden Sie diese also nicht erst, wenn Sie hinter sich ein Martinshorn und/oder Blaulicht sehen.

Zudem sollten Sie immer genügend Abstand zu Ihrem Vordermann halten, damit Sie genügend Platz haben. Fahren Sie zu dicht auf, haben Sie kaum Raum um nach rechts oder links wegzufahren. Fangen Sie im Ernstfall erst an zu rangieren, geht viel Zeit verloren und im Zweifel ist ein weiterer Unfall vorprogrammiert. Schalten Sie auch das Radio leiser, damit Sie Durchsagen der Polizei oder Feuerwehr hören können.

Bedenken Sie, dass Sie Ihr Auto leicht querstellen, so dass Sie mehr Platz benötigen, als wenn das Auto gerade steht. Zudem müssen Sie im Zweifel ein Stück vorfahren, um nach rechts oder links Platz machen zu können.

Bei Stau eine Rettungsgasse bilden: Was ist mit dem Standstreifen?

Klar ist, dass der Standstreifen keine Fahrspur ist. Möchte ein Autofahrer also zur nächsten Ausfahrt gelangen, darf er beispielsweise bei einem Stau nicht auf den Standstreifen ausweichen und über diesen zur nächsten Ausfahrt fahren.

Auch für die Rettungsgasse sollte der Standstreifen nach Möglichkeit nicht genutzt werden, da dieser für Pannenfahrzeuge reserviert ist. Hilfsorganisationen äußern allerdings immer wieder, dass im Notfall der Standstreifen auch halb befahren werden sollte. Benötigen Fahrer mehr Platz, weil Sie z. B. ein besonders großes Fahrzeug fahren, soll auch der gesamte Standstreifen genutzt werden.

Im Notfall gilt: Bevor Sie mit Ihrem Auto in der Rettungsgasse stehen und die Einsatzkräfte nicht durchkommen, befahren Sie den Standstreifen.

Rettungsgasse einfach erklärt: Das Video zeigt, wie es geht

Das nachfolgende Video zeigt, wie wichtig es ist, rechtzeitig eine Rettungsgasse zu bilden und was Sie im Ernstfall beachten müssen. Sie sollten das Gesetz also ernst nehmen und sobald der Verkehr stockt, eine Gasse bilden. Verlassen Sie niemals Ihr Auto und laufen Sie nicht herum. Damit gefährden Sie nicht nur sich selbst.

Behinderung von Einsatzfahrzeugen: Konsequenzen drohen

Auf mehrspurigen Schnellstraßen und der Autobahn ist die Rettungsgasse sofort von allen Verkehrsteilnehmern zu bilden, wenn der Verkehr stockt. Doch drohen Konsequenzen, wenn Kfz-Fahrer dem nicht nachkommen?

Wer für die Polizei oder die Feuerwehr keine Rettungsgasse bildet, begeht nach § 45 Abs. 1 Nr. 11 eine Ordnungswidrigkeit. Zuwiderhandelnde Fahrer müssen mit einem Verwarngeld von 20 Euro rechnen.

Nutzen Sie den Standstreifen zum schnelleren Vorwärtskommen, drohen 75 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.

Rettungsgasse im Ausland: Das gilt in anderen Ländern

Egal wie viele Spuren die Autobahn hat, die Rettungsgasse wird immer gleich gebildet.

Egal wie viele Spuren die Autobahn hat, die Rettungsgasse wird immer gleich gebildet.

In Österreich ist die Rettungsgasse seit 2012 verpflichtend zu bilden. Weißt die Fahrbahn mehr als zwei Spuren auf, so ist die Gasse zwischen der äußerst linken und der nächst gelegenen Spur zu bilden. In Österreich ist die Rettungsgasse also an der gleichen Stelle zu bilden, wie in Deutschland. Der Standstreifen sollte mitgenutzt werden.

Wer sich daran nicht hält oder die Einsatzkräfte behindert, wird zur Kasse gebeten. Im Unterschied zum deutschen Bußgeldkatalog, müssen Autofahrer in Österreich hohe Geldbußen in Kauf nehmen. Die Ordnungswidrigkeit wird mit einer Buße von bis zu 2180 Euro bestraft.

In der Schweiz muss die Rettungsgasse bei Straßen mit zwei Fahrspuren in der Mitte gebildet werden. Bei mehrspurigen Straßen ist die Gasse zwischen dem ganz linken und dem zweiten Fahrstreifen von links zu bilden. Diese Regelung entspricht also der deutschen. In Ungarn gibt es keine Verpflichtung, eine Gasse zu bilden. Gleiches gilt für Kroatien, Italien und die Slowakei.

In Tschechien muss die Rettungsgasse bei zwei Fahrspuren mittig gebildet werden. Die Gasse muss mindestens drei Meter breit sein. Umfasst die Straße drei Spuren oder mehr, ist die die Gasse zwischen dem rechten und dem mittleren Streifen zu bilden.

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