Schmerzensgeld: Über die Höhe entscheidet ein Gericht

Wie viel Schmerzensgeld steht mir zu?

Wie viel Schmerzensgeld steht mir zu?

In allen Lebensbereichen entwickelt sich die Technik stets weiter. Das betrifft auch die Medizin. Doch in den meisten Fällen muss die neueste Errungenschaft von einem Menschen bedient werden, demnach kann es zu Fehltritten kommen.

Solch ein Behandlungsfehler kann einen Anspruch auf Schmerzensgeld begründen. Gleiches gilt auch, wenn es zu einem Unfall kam und eine Person dabei eine Verletzung davon getragen hat. Geschädigte stellt sich dann die Frage: „Wie wird Schmerzensgeld berechnet?“ Wir gehen in diesem Ratgeber darauf ein und erklären, woraus sich beim Schmerzensgeld die Höhe ergibt.

Schmerzensgeld: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) regelt alles rund um den Schadensersatz. Das Schmerzensgeld ist nämlich letztendlich als solcher zu begreifen. In Paragraph 253 BGB heißt es hierzu:

(1) Wegen eines Schadens, der nicht Vermögensschaden ist, kann Entschädigung in Geld nur in den durch das Gesetz bestimmten Fällen gefordert werden.
(2) Ist wegen einer Verletzung des Körpers, der Gesundheit, der Freiheit oder der sexuellen Selbstbestimmung Schadensersatz zu leisten, kann auch wegen des Schadens, der nicht Vermögensschaden ist, eine billige Entschädigung in Geld gefordert werden.

Im BGB wird demnach nicht von einem Schmerzensgeld gesprochen, sondern von einem immateriellen Schaden, welcher immer dann entsteht, wenn es um Schäden bzw. eine Verletzung der höchstpersönlichen Lebenssphäre geht.

Höhe des Schmerzensgeldes: Das sagt das BGB

Einen Schmerzensgeldrechner gibt es nicht. Beispielsweise nach einer Körperverletzung legt das Gericht die Höhe fest.

Einen Schmerzensgeldrechner gibt es nicht. Beispielsweise nach einer Körperverletzung legt das Gericht die Höhe fest.

Wer also einen Dritten verletzt, ihm Schmerzen zufügt oder für eine gesundheitliche Beeinträchtigung sorgt, muss eine „billige Entschädigung in Geld“ zahlen. Konkret bedeutet dies, dass das Gesetz für das Schmerzensgeld keine bestimmte Höhe vorgibt, sondern das Gericht je nach Einzelfall entschieden werden muss.

Für die Berechnung vom Schmerzensgeld ist demnach ausschließlich der Richter zuständig, welcher einen freien Gestaltungsspielraum hat. Dies macht es ihm möglich, alle Einzelheiten zu betrachten und in jedem Fall neu zu entscheiden.

Wer also für sein Schmerzensgeld einen Rechner bedienen möchte, ist auf dem Holzweg: Starre Vorgaben gibt es nicht, vielmehr kommt es auf die Details an.

Wie viel Schmerzensgeld bekomme ich?“ Diese Frage kann nur der zuständige Richter beantworten.  Dieser legt das Schmerzensgeld und dessen Höhe fest. Der Opfer muss die Entschädigung fordern und ist damit in der Beweispflicht.

Wie berechnet man Schmerzensgeld? Das BGB gibt Aufschluss darüber, dass nicht der Schädiger oder dessen Versicherung in Aktion treten, sondern vielmehr das Unfallopfer die Schmerzensgeldbeträge einfordern muss. Damit ist gleichzeitig geklärt, bei wem die Beweislast liegt.

Der Geschädigte ist in der Pflicht, seine Verletzungen beweisen. Kommt es also nach einem Auffahrunfall beispielsweise zu einem Schleudertrauma oder einer anderen HWS-Verletzung, so muss sich der Betroffene umgehend an einen Arzt wenden, um dieses bzw. diese dokumentieren zu lassen. Die Akte kann beim späteren Verfahren als Beweis vorgelegt werden.

Daher ist klar: Je besser der Geschädigte seine Schäden beweisen kann und je gravierender die Konsequenzen aus den Verletzungen, desto größer die Chance, ein höheres Schmerzensgeld zugesprochen zu bekommen..

Schmerzensgeldberechnung: Diese Aspekte werden beachtet

Dass ein Geschädigter das Schmerzensgeld nicht einfach berechnen kann, haben wir bereits geklärt. Dennoch gibt es einige Kriterien, die sowohl auf der Seite des Unfallopfers wie auf der des Schädigers beachtet werden und auf das Schmerzensgeld bzw. dessen Höhe nach oben oder unten Einfluss nehmen.

Das Schmerzensgeld soll im Wesentlichen zwei Funktionen erfüllen: Zum einen soll es als Ausgleich für den erlittenen Schaden stehen, zum anderen soll sich eine Genugtuung einstellen. Dementsprechend sind folgende Aspekte bei der Ermittlung der Höhe des Schmerzensgeldes zu beachten:

Schmerzensgeld: Wie hoch fällt es aus? Ein Blick in die Schmerzensgeldtabelle hilft bei der Orientierung.

Schmerzensgeld: Wie hoch fällt es aus? Ein Blick in die Schmerzensgeldtabelle hilft bei der Orientierung.

  • Dauer und Intensität der Schmerzen
  • physische/psychische Beeinträchtigungen
  • Dauer der stationären Behandlung, Operationen
  • Zeit der Arbeitsunfähigkeit
  • Behinderungen, Narben
  • Alter und weitere Konsequenzen

Es zeigt sich, dass viele dieser Aspekte subjektiv empfunden werden. Um diese Betrachtung auf eine objektive Ebene zu übertragen, sollten Arztbefunde, Diagnosen und Atteste etc. aufbewahrt und dem Gericht vorgelegt werden. Im Zweifel kann auch ein Gutachten angefertigt werden. Ein Anwalt kann Sie in Sachen Beweise beraten.

Inwieweit die Vermögensumstände der einzelnen Parteien Einfluss auf das Schmerzensgeld und dessen Berechnung haben sollen, ist umstritten. Auf der einen Seite kann bei einem vermögenden Geschädigten auch erst eine gewisse Summe als Entschädigung gesehen werden. Auf der anderen Seite sollte der Schädiger durch die Schmerzensgeldhöhe nicht in finanzielle Schieflage geraten.

Laut BGB muss ein Schaden fahrlässig und vorsätzlich herbeigeführt werden, damit ein Anspruch auf Schmerzensgeld entsteht. Dies wird als Verschuldungshaftung bezeichnet. Insofern ist erst einmal die Frage zu klären, ob und inwieweit der Schädiger die (alleinige) Schuld trägt.

Der Schädiger kann durch ein zuverlässiges und schnelles Handeln, das Schmerzensgeld und dessen Höhe positiv beeinflussen. Zögert dieser allerdings die Zahlung hinaus oder zeigt sich wenig kooperativ, kann das Schmerzensgeld entsprechend höher ausfallen.

Was gilt bei einem Autounfall?

Die sogenannte Verschuldungshaftung gilt bei einem Verkehrsunfall nicht. In diesem Fall zählt die Gefährdungshaftung. Dies bedeutet, dass auch bei einem rechtmäßigen Verhalten ein Risiko für die Anderen besteht.

Ein Unfallverursacher, der nicht fahrlässig oder vorsätzlich handelt, kann also dennoch auf Schmerzensgeld verklagt werden. Ist dieser an dem Unfall Schuld, reguliert seine Versicherung den Unfall und den Schmerzensgeldanspruch.

Schmerzensgeld: Diese Listen dienen als Anhaltspunkt

Auch wenn das Schmerzensgeld und dessen Höhe in jedem Einzelfall entschieden wird, gibt es Möglichkeiten, sich über den Schadensersatz zu informieren. Die sogenannten Schmerzensgeldtabellen, auch Schmerzensgeldkatalog genannt, helfen in diesem Fall weiter.

In diesen werden alle Urteile gesammelt, in denen es um Schadensersatz bzw. Schmerzensgeld geht. Diese Tabelle ist allerdings nur als Anhaltspunkt zu verstehen. Auch ein Anwalt kann beispielsweise nach einem erlittenen Schleudertrauma eine Einschätzung abgeben.

Nach einem Unfall mit Verletzungen und Schmerzen kann dem Betroffenen Schmerzensgeld zustehen. Die Höhe kann nicht pauschal beziffert werden.

Nach einem Unfall mit Verletzungen und Schmerzen kann dem Betroffenen Schmerzensgeld zustehen. Die Höhe kann nicht pauschal beziffert werden.

Im Wesentlichen ist zwischen drei verschiedenen Schmerzensgeldtabellen zu unterscheiden:

  • Celler Schmerzensgeldtabelle (Oberlandesgericht Celle)
  • Schmerzensgeldtabelle von Hacks, Ring und Böhm, auch ADAC-Schmerzensgeldtabelle genannt
  • Beck’sche Schmerzensgeldtabelle

Sowohl die Celler als auch die Beck’sche Schmerzensgeldtabelle ist kostenlos zugängig. Die Celler Schmerzensgeldtabelle wird hingegen regelmäßig vom OLG Celle als Buch herausgegeben.

Wer sich über ein Schmerzensgeld und dessen Höhe informieren möchte, kann eine Schmerzensgeldtabelle heranziehen. Diese ist allerdings nicht verpflichtend, sondern führt lediglich alle Urteile auf, in denen ein Schmerzensgeld zugesprochen wurde. Sie dient als Richtschnur.

Schmerzensgeldsätze in Deutschland: Beispiele

Im Folgenden führen wir einige Beispiele auf. So können Sie sich einen Eindruck über die Höhen beim Schmerzensgeld verschaffen. Diese Auflistung ist allerdings keinesfalls allumfassend. Kein Fall gleicht dem anderen!

VerletzungHöhe des Schmer­zensgeldesGericht, Jahr
Zerrung der HWS und Prellungca. 400 EuroAG Garmisch-Partenkirchen, 1990
Schleuder­trauma mit Schweregrad Ica. 4000 EuroOLG Stuttgart, 1990
Schädel­hirntrauma mit Schweregrad I ca. 8000 EuroAG Greiz, 1996
Nackenmuskel­zerrungca. 760 EuroAG Osnabrück, 1991

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