Schmerzensgeld für eine posttraumatische Belastungsstörung: Wie viel steht Ihnen zu?

Wie hoch fällt das Schmerzensgeld für eine posttraumatische Belastungsstörung aus?

Wie hoch fällt das Schmerzensgeld für eine posttraumatische Belastungsstörung aus?

Bei einem Verkehrsunfall kann es sowohl zu Blech- als auch zu Personenschäden kommen. Blechschäden, die Sie nicht selbst verursacht haben, werden in der Regel von der gegnerischen Haftpflichtversicherung übernommen. Aber was ist mit dem körperlichen und seelischen Schaden, der Ihnen bei einem Zusammenstoß entstanden ist?

Für immaterielle Schäden besteht ein Anspruch auf Schmerzensgeld, sofern Sie den Unfall nicht selbst fahrlässig oder vorsätzlich verursacht haben. Wie hoch das Schmerzensgeld ausfällt, richtet sich u. a. nach der Schwere Ihrer Verletzungen. So kann es auch ein Schmerzensgeld für eine posttraumatische Belastungsstörung geben.

Aber in welcher Höhe bewegt sich das Schmerzensgeld für eine PTBS? Benötigen Sie einen Anwalt, um Ihre Schmerzensgeldansprüche bei der Versicherung oder vor Gericht durchzusetzen? Wie viel Schmerzensgeld Ihnen für eine posttraumatische Belastungsstörung laut Schmerzensgeldtabelle zustehen würde, lesen Sie im folgenden Ratgeber.

Was ist eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) nach einem Unfall?

Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine verzögerte psychische Reaktion auf ein extrem belastendes Ereignis. Bei einem schweren Autounfall werden durch das Geschehen bei den Betroffenen Gefühle wie Angst und Schutzlosigkeit hervorgerufen. Betroffene Personen empfinden Hilflosigkeit und einen Kontrollverlust.

Typisch für eine PTBS ist, dass die Betroffenen durch Tagträume oder Flashbacks den Unfall bzw. das schlimme Ereignis wieder und wieder erleben. Nachts kommen zudem Angstträume hinzu, die den Schlafrhythmus der Personen stark beeinflussen. Zusätzlich dazu treten folgende Vermeidungssymptome auf:

  • emotionale Stumpfheit
  • Gleichgültigkeit
  • Teilnahmslosigkeit der Umgebung und anderen Menschen gegenüber
  • aktive Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen wachrufen könnten
Je nachdem, wie schwer die Erkrankung ausfällt, kann ein Schmerzensgeld für eine posttraumatische Belastungsstörung gerechtfertigt sein. Viele Betroffene mit einer PTBS versuchen, den Straßenverkehr gänzlich zu meiden, da sie extrem schreckhaft und angespannt sind. Dies kann sich besonders negativ auf den Alltag des Betroffenen auswirken und ihn durch die Erkrankung stark einschränken.

Wann erhalten Sie Schmerzensgeld für eine posttraumatische Belastungsstörung?

Eine PTBS nach einem Unfall äußert sich u. a. in Angst und Schutzlosigkeit.

Eine PTBS nach einem Unfall äußert sich u. a. in Angst und Schutzlosigkeit.

Nach einem Verkehrsunfall leiden Betroffene meistens nicht nur an den physischen Folgen des Zusammenstoßes. Neben Verletzungen wie Schürf- und Schnittwunden oder gebrochenen Knochen kann auch eine posttraumatische Belastungsstörung für eine große psychische Angespanntheit sorgen.

Eine posttraumatische Belastungsstörung kann ein Schmerzensgeld rechtfertigen, wenn diese Erkrankung aus einem Unfall resultiert, welcher nicht oder nur teilweise durch Ihr Verschulden entstanden ist.

Das Schmerzensgeld soll einen Ausgleich für immaterielle Schäden schaffen. Nach deutschem Recht hat es eine Sühnefunktion und soll neben Körperschäden auch seelische Belastungen wiedergutmachen. Gemäß § 253 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) wird die Schadensersatzpflicht folgendermaßen definiert:

Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.

Das Schmerzensgeld für eine posttraumatische Belastungsstörung hat eine Ausgleichs- und Genugtuungsfunktion. Wird keine außergerichtliche Einigung darüber gefunden, wie hoch das Schmerzensgeld ausfällt, bestimmt das Gericht die Höhe.

Bei der Höhe des Schmerzensgeldes wird je nach Einzelfall entschieden. Grundsätzlich werden dabei sowohl die Art und Dauer der Verletzungen als auch alle zu berücksichtigenden Umstände betrachtet. Wie hoch das Schmerzensgeld für eine PTBS ausfällt, kann daher pauschal nicht beantwortet werden.

Benötigen Sie einen Rechtsanwalt, um für die PTBS ein Schmerzensgeld zu erhalten?

Grundsätzlich ist es wichtig, dass bei einer psychischen Erkrankung hinreichend Gewissheit besteht, dass die Krankheit nicht eingetreten wäre, wenn der Unfall nicht stattgefunden hätte. Es ist also entscheidend, dass der Verkehrsunfall Auslöser der posttraumatischen Belastungsstörung war.

Aber wie können Sie Ihre Schmerzensgeldansprüche geltend machen, wenn Sie unter einer PTBS leiden? Grundsätzlich haben Sie die Möglichkeit, die Ansprüche auf Schmerzensgeld für eine posttraumatische Belastungsstörung selbst von der gegnerischen Versicherung zu verlangen.

Im Endeffekt muss allerdings der jeweilige Sachverhalt immer genau betrachtet werden. Es bringt Ihnen nicht viel, wenn Ihre Schmerzensgeldansprüche gegenüber der Versicherung so hoch sind, dass diese abgelehnt werden. Sie sollten daher Ihre Ansprüche begründen und vergleichbare Fälle nennen können.

Als Anhaltspunkt dazu dienen sogenannte Schmerzensgeldtabellen. Im letzten Kapitel unseres Ratgebers haben wir Ihnen entsprechende Fälle zum Schmerzensgeld für eine posttraumatische Belastungsstörung zusammengeführt. Auch hier sollten Sie allerdings beachten, dass immer der jeweilige Einzelfall zu betrachten ist.

Eine posttraumatische Belastungsstörung kann nach einem Verkehrsunfall auftreten.

Eine posttraumatische Belastungsstörung kann nach einem Verkehrsunfall auftreten.

Da eine genaue Einschätzung als Laie oftmals schwierig ist, kann ein Anwalt, der im Verkehrsrecht versiert ist, hilfreich sein. Er vergleicht nicht nur ähnliche Schmerzensgeldfälle miteinander, sondern bildet eine Spanne aus den Gerichtsentscheidungen. Ihr Anwalt kümmert sich darum, Ihre Schmerzensgeldforderung beim gegnerischen Haftpflichtversicherer durchzusetzen.

Wollen Sie Schmerzensgeldansprüche geltend machen, sollten Sie auch unbedingt daran denken, sich direkt nach dem Unfall in ärztliche Behandlung zu begeben. Nur ein Arzt kann bescheinigen, dass eine psychische Erkrankung, wie eine posttraumatische Belastungsstörung, vorliegt und dass der Unfall Auslöser derselbigen war.

Übrigens: Ist die gegnerische Versicherung zur Schadensregulierung verpflichtet, weil der Unfallgegner die Schuld am Zusammenstoß trägt, muss der Versicherer auch für die Kosten Ihres Anwalts aufkommen. Für Sie würden in diesem Fall keine zusätzlichen Anwaltskosten anfallen.

Schmerzensgeldtabelle für eine posttraumatische Belastungsstörung nach einem Verkehrsunfall

Verschiedene Faktoren werden bei der Berechnung miteinbezogen, sodass nur im Einzelfall entschieden werden kann, wie viel Schmerzensgeld Opfer bei einer PTBS erhalten. Die nachfolgende Tabelle zeigt auf, wie viel Schmerzensgeld hierzulande bei der Verletzung möglich ist:

Ver­letzungs­beschreibungSchmer­zens­geld in EuroAkten­zeichen, Gericht, Jahr
schwere post­traumatische Belastungs­störung40.0007 U 152/15, OLG Schleswig-Holstein, 2016
zeitweise post­traumatische Belastungs­störung sowie Wirbelsäulen­prellung und leichte bis mittlere HWS-Distorsion5.00014 U 74/12, OLG Celle, 2013
post­traumatische Belastungs­störung3.0008 S 616/11, LG Dresden, 2012
post­traumatische Belastungs­störung sowie Morbus Sudeck, Schulterluxation, Distorsionen der HWS und LWS, Rippen­serienfraktur, contusio cordis mit nachfolgenden Herz-Rhythmus-Störungen65.0004 U 9/09, OLG Köln, 2010
post­traumatische Belastungs­störung sowie Schädelprellung bei einem Kleinkind nach einem Unfall4.0007 U 77/08, OLG Braunschweig, 2009
post­traumatische Belastungs­störung sowie schweres Schleudertrauma, Nasenbeinbruch, Schädel-Hirn-Trauma, Prellungen sowie Schürf- und Schnittwunden30.0007 U 76/07, Schleswig-Holstein, 2009
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