Sperrfrist bei Führerscheinentzug verkürzen: Wie machen Sie das?

Eine Sperrfrist hindert Sie eine gewisse Zeit lang an der Weiterfahrt, nachdem Ihre Fahrerlaubnis entzogen wurde.

Eine Sperrfrist hindert Sie eine gewisse Zeit lang an der Weiterfahrt, nachdem Ihre Fahrerlaubnis entzogen wurde.

Wenn Sie mit zu viel Alkohol am Steuer erwischt wurden oder vor Ihrer Fahrt Drogen konsumierten, kommen Sie nicht mit ein paar Euro Bußgeld und neuen Punkten in Flensburg davon.

In solchen schweren Fällen wird ein Gericht Ihnen die Fahrerlaubnis entziehen, um auf Nummer sicher zu gehen, dass Sie andere Verkehrsteilnehmer nicht mehr gefährden.

Von der Fahrerlaubnis kann jedoch Ihre berufliche Existenz abhängen, wenn Sie beispielsweise für Ihre Arbeit regelmäßig einen Dienstwagen steuern müssen. Oder dann, wenn Ihr Arbeitsplatz nur schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Auch Ihr Privatleben kann erheblich darunter leiden, wenn Sie Freunde und Verwandte nicht mehr ohne Weiteres besuchen können.

Sie sehen, dass sehr viel abhängt von Ihrem Führerschein. Die Sperrfrist zu verkürzen kann Sie aus dieser misslichen Lage schneller herausbringen als ursprünglich vorgesehen. Doch wie können Sie das genau machen?

Wann kommt es zu einer Sperrfrist für den Führerschein?

Zunächst einmal muss Ihnen die Fahrerlaubnis entzogen werden. Dies kann bei schweren Fällen von Alkohol- und Drogenkonsum passieren, aber auch wenn Sie bereits acht Punkte gesammelt haben. In solchen Situationen kann das verantwortliche Gericht entscheiden, Ihnen die Fahrerlaubnis zu entziehen. Dabei muss es nach § 69a des Strafgesetzbuches (StGB) gleichzeitig die „Sperre für die Erteilung der Fahrerlaubnis“ zeitlich festlegen. Während dieser Sperrfrist darf die Verkehrsbehörde Ihnen die Fahrerlaubnis nicht wiedergeben.

Der Entzug der Fahrerlaubnis ist nicht zu verwechseln mit dem Fahrverbot, welches nur ein bis drei Monate dauert. Ein Fahrverbot kann bei höheren Geschwindigkeitsüberschreitungen und minderschweren Alkohol- und Drogenvergehen verhängt werden. Auch wenn Sie bei einem Fahrverbot den Führerschein vorübergehend abgeben müssen und sich nicht ans Steuer setzen dürfen, verlieren Sie dabei nicht die Fahrerlaubnis an sich.

Wie lange kann die Sperrfrist dauern?

Normalerweise erhalten Sie erst nach Ablauf der Sperrfrist Ihren Führerschein zurück.

Normalerweise erhalten Sie erst nach Ablauf der Sperrfrist Ihren Führerschein zurück.

Die Sperrfristen, welche Gerichte verordnen, können unterschiedliche Längen annehmen. Der § 69a des StGB sieht dafür in Artikel eins einen Zeitrahmen vor, der von sechs Monaten bis hin zu fünf Jahren reicht.

Die Länge hängt davon ab, wie das Gericht die Zeit einschätzt, die Sie brauchen, um Ihr Verhalten zu bessern. Durchschnittlich beträgt sie zwischen neun und elf Monaten, aber allgemein gültige Aussagen lassen sich zur Dauer der Sperrfrist nicht treffen. Wurde Ihnen in den letzten drei Jahren vor der Tat schon einmal die Fahrerlaubnis entzogen, beträgt die Mindestzeit ein Jahr.

Hat man Ihnen die Fahrerlaubnis bereits direkt nach der Tat entzogen, also bevor das Gericht seine Entscheidung fällte, dann verkürzt sich Ihre Sperrfrist um den Zeitraum vom Entzug Ihrer Fahrerlaubnis bis zur Gerichtsentscheidung.

In Ausnahmefällen darf eine Sperrfrist für die Fahrerlaubnis sogar lebenslang angeordnet werden, wenn das Gericht davon ausgeht, dass fünf Jahre nicht ausreichen, das Verhalten des Täters nachhaltig zu verändern. Dies geschieht lediglich in äußerst schweren Fällen wie regelmäßigen Trunkenheitsfahrten, oder wenn das Auto für Straftaten eingesetzt wird.

Wenn Ihnen die Fahrerlaubnis entzogen wurde und Sie trotzdem ein Kraftfahrzeug steuern, erwarten Sie empfindliche Strafen, die entweder Freiheitsentzug oder hohe Strafzahlungen vorsehen. Sie dürfen allerdings weiterhin Fahrzeuge führen, welche keine Fahrerlaubnis benötigen, wie motorisierte Krankenfahrstühle oder selbstfahrende Arbeitsmaschinen und Stapler. Darüber hinaus können Sie auch Fahrzeuge benutzen, für die Sie eine gültige Prüfbescheinigung besitzen, wie Mofas mit einem maximalen Hubraum von 30 ccm.

Wie können Sie eine Sperrzeitverkürzung für Ihren Führerschein begründen?

Wenn Sie ohne Fahrerlaubnis in wirtschaftliche Not geraten, weil beispielsweise Ihr Arbeitsplatz gefährdet ist, genügt das nicht als Argument, Ihre Sperrzeit zu verkürzen. Das StGB sieht in § 69a Abs. 7 lediglich eine Möglichkeit zur Sperrzeitverkürzung vor:

Ergibt sich Grund zu der Annahme, daß der Täter zum Führen von Kraftfahrzeugen nicht mehr ungeeignet ist, so kann das Gericht die Sperre vorzeitig aufheben. Die Aufhebung ist frühestens zulässig, wenn die Sperre drei Monate, in den Fällen des Absatzes 3 ein Jahr gedauert hat.

Wie können Sie nun das Gericht davon überzeugen, dass Sie wieder dazu geeignet sind, Kraftfahrzeuge zu steuern und Ihren Führerscheinentzug zu verkürzen?

Gelingt es Ihnen, Ihre Sperrfrist durch Verkürzung zu reduzieren, sitzen Sie schneller wieder am Steuer.

Gelingt es Ihnen, Ihre Sperrfrist durch Verkürzung zu reduzieren, sitzen Sie schneller wieder am Steuer.

Bloße Worte, mit denen Sie Ihre Besserung beteuern, genügen hier nicht. Sie müssen die Hüter des Gesetzes schon mit konkreten Maßnahmen überzeugen. Verschiedene Institutionen bieten Schulungen und verkehrspsychologische Beratungen an, die sich mit dem Grund Ihres Führerscheinentzuges beschäftigen.

Wenn Sie an diesen Seminaren teilnehmen, können Sie dies als Argument für eine Sperrzeitverkürzung anführen. Es empfiehlt sich jedoch, die geeigneten Maßnahmen vorher mit einem Anwalt zu besprechen, da nicht alle Maßnahmen vom Gericht gleichermaßen anerkannt werden.

Wie können Sie einen Antrag auf Sperrfristverkürzung stellen?

So gehen Sie vor, um die Sperrfrist zu verkürzen und Ihren Führerschein wiederzuerlangen:

  1. Schreiben Sie einen Antrag auf Verkürzung der Sperrfrist bei Führerscheinentzug, in dem Sie überzeugend begründen, weshalb Sie wieder fahrtauglich sind. Dabei sollten Sie Ihre Schulungsmaßnahmen dokumentieren.
  2. Senden Sie diesen Antrag zu dem Amtsgericht, welches die Sperrfrist über Sie verhängt hat. In manchen Bundesländern sollten Sie das Schreiben direkt an die Staatsanwaltschaft des Gerichtes senden.
  3. Nun entscheidet das Gericht darüber, ob es Ihrem Antrag entsprechen kann. Ein Gericht kann Ihre Sperrfrist lediglich zum jetzigen Zeitpunkt beenden. Es kann Ihnen aber keinen zeitlichen „Rabatt“ für Ihre Sperrfrist geben.
  4. Bereits drei Monate vor Ablauf der Sperrfrist dürfen Sie Ihre Fahrerlaubnis neu beantragen, müssen aber eventuell weitere Maßnahmen erfüllen, bevor man Ihnen den Führerschein wiedergibt. Verkehrssünder müssen nach einem Entzug der Fahrerlaubnis und anschließender Sperrfrist häufig eine MPU (medizinisch-psychologische Untersuchung) absolvieren, besonders dann, wenn Ihnen wegen Alkohol- oder Drogenkonsum die Fahrerlaubnis entzogen wurde. Der Sperrfrist kann in Ausnahmefällen sogar eine erneute Fahrerlaubnisprüfung folgen. Wenn Sie Ihre Fahrerlaubnis endlich wiederbekommen haben, sind Sie jedoch erst einmal für zwei Jahre in einer Probezeit.

Normalerweise bringt der eigentliche Antrag auf Sperrfrist Verkürzung keine Kosten mit sich. Die wesentlichen Kostenpunkte bei dem ganzen Verfahren sind die verkehrspsychologischen Schulungen, mit denen Sie die Sperrfrist verkürzen können, sowie eine möglicherweise anfallende MPU nach der Sperrfrist.

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