Wann die Verkehrsopferhilfe bei einem Unfall greift

Was ist die Verkehrsopferhilfe?

Was ist die Verkehrsopferhilfe?

Grundsätzlich sollte jedes Auto in Deutschland versichert sein, wenn öffentliche Straßen genutzt werden. Deswegen ist der Haftpflichtversicherungsschutz auch gesetzlich vorgeschrieben. Dennoch kommt es vor, dass die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers nicht in Anspruch genommen werden kann.

Wurden Sie in einen Unfall verwickelt und der Unfallverursacher flüchtet vom Unfallort, begeht dieser eine Fahrerflucht. Wenn dieser nicht ausfindig gemacht werden kann, bleiben Sie als Opfer schnell auf dem Schaden sitzen. In diesem Fall kann allerdings die Verkehrsopferhilfe einspringen.

Was ist die Verkehrsopferhilfe? Wann kommt diese für verursachte Schäden auf? Welche Leistungen deckt die Verkehrsopferhilfe ab? Wie können Sie einen Schaden bei der Unfallopferhilfe geltend machen? Mehr dazu lesen Sie im folgenden Ratgeber.

Worum handelt es sich bei der Unfallopferhilfe?

Im Jahre 1963 wurde der Verein Verkehrsopferhilfe e. V. gegründet. Alle Autohaftpflichtversicherer, die früher dem HUK-Verband angehörten, beteiligten sich an der Gründung. Ab dem 1. Januar 1966 hatte die Verkehrsopferhilfe die Stellung des gesetzlichen Entschädigungsfonds für Schäden aus Kfz-Unfällen inne.

Seit dem 1. Januar 2003 nimmt der Verein die Aufgaben der Entschädigungsstelle nach der Richtlinie 2000/26/EG wahr. Durch diese Regelungen soll die Abwicklung eines im EU-Ausland erlittenen Unfalls erleichtert werden. Dazu sind im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum nationale Entschädigungsstellen errichtet worden.

Sie sollen dem Notfall dienen, wenn eine Schadensregulierung auf einem regulären Weg nicht möglich ist. So sollen die Ansprüche des Geschädigten gesichert werden. Das Verkehrsopferschutzgesetz gibt es in Deutschland nicht, allerdings sind die gesetzlichen Regelungen der nationalen Entschädigungsstelle in den §§ 12a und b sowie in § 13a Pflichtversicherungsgesetz (PflVG) festgelegt.

Wann kommt die Verkehrsunfallopferhilfe für Schäden auf?

Verkehrsopferhilfe: Bei einer Unfallflucht kommt der Verein für die Schäden auf.

Verkehrsopferhilfe: Bei einer Unfallflucht kommt der Verein für die Schäden auf.

Die Verkehrsopferhilfe muss für Schäden aufkommen, wenn der zuständige Versicherer oder der Schadenregulierungsbeauftragte der Versicherung den Schaden nicht innerhalb von drei Monaten reguliert oder auf den Schadensersatz des Geschädigten nur unzureichend eingegangen wurde.

Außerdem greift die Verkehrsopferhilfe, wenn der zuständige ausländische Versicherer keinen Schadenregulierungsbeauftragten im Inland benannt hat.

Gleiches gilt übrigens auch, wenn weder der Versicherer noch der Unfallverursacher innerhalb von zwei Monaten nach dem Zusammenstoß ausfindig gemacht werden konnten.

Wie hoch der Schadensersatz ausfällt, richtet sich in der Regel nach dem jeweiligen Recht des Landes, in welchem der Unfall geschehen ist. Die Entschädigungsstelle gibt die Regulierung der Schäden an Unternehmen ab, die sich mit den Besonderheiten des jeweiligen Landes auskennen.

Welche Leistungen bietet die Hilfe für Unfallopfer?

Der sogenannte Garantiefonds der Verkehrsopferhilfe soll die Lücken des Pflichtversicherungsgesetzes schließen. Gemäß § 12 PflVG leistet die Verkehrsopferhilfe Schadensersatz, wenn der Unfallverursacher im Rahmen einer Fahrerflucht nicht ausfindig gemacht werden kann.

Außerdem kommt die Verkehrsopferhilfe für Schäden auf, die durch einen Unfall entstanden sind, in welchem der Unfallverursacher keine Kfz-Haftpflichtversicherung besaß. Auch bei vorsätzlich verursachten Unfällen, in denen das Auto widerrechtlich als Tatwaffe eingesetzt wurde, greift der Schutz der Verkehrsopferhilfe.

Letzteres ist beispielsweise bei Geltendmachung von Ansprüchen durch Geschädigte des Vorfalls am Breitscheidplatz in Berlin möglich. Am 19. Dezember 2016 raste ein Lkw in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt. Bei dem Terroranschlag kamen 12 Menschen ums Leben und 55 wurden verletzt.

Wird der Kfz-Haftpflichtversicherer des Unfallverursachers insolvent, greift ebenfalls die Verkehrsopferhilfe ein und kommt für die Schäden am Kfz des Opfers auf. Grundsätzlich geht es bei den Leistungen darum, existenzielle Härten zu vermeiden. Das bedeutet im Klartext, dass die Verkehrsopferhilfe keine Entschädigungszahlungen leistet, wenn diese durch die eigene Kasko- oder Krankenversicherung gezahlt werden.

Dabei zahlt die Verkehrsopferhilfe die gleichen Entschädigungen, die eine Haftpflichtversicherung im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Deckungssummen übernommen hätte. Beim unerlaubten Entfernen vom Unfallort gibt es bestimmte Leistungseinschränkungen.

Es gibt keine Entschädigung für das eigene Auto oder bestimmte Folgekosten wie z. B. das Abschleppen des kaputten Fahrzeugs. Ist gleichzeitig zum Blechschaden ein erheblicher Personenschaden aufgetreten, ist je nach Einzelfall eine Ausnahme denkbar. Werden Sachschäden erstattet, wird von dieser Summe ein Selbstbehalt von 500 Euro abgezogen.

Die Hilfe für Unfallopfer umfasst nur selten Schmerzensgeld.

Die Hilfe für Unfallopfer umfasst nur selten Schmerzensgeld.

Wird eine Person verletzt, kommt die Verkehrsopferhilfe immer für die erlittenen Schäden auf. Die Verkehrsopferhilfe zahlt Schmerzensgeld allerdings nur in absoluten Ausnahmefällen. Schmerzensgeld wird dann gezahlt, wenn eine besondere Schwere der Verletzungen vorliegt und zur Vermeidung eine grobe Unbilligkeit erforderlich ist.

Dies ist beispielsweise der Fall, wenn die Verletzungen des Geschädigten schwerer sind als das, was bei täglichen Unfällen im Straßenverkehr als Verletzungen auftritt. Der Schaden muss deutlich aus der Masse der Personenschäden herausragen, sodass dadurch für den Geschädigten eine dauernde und erhebliche Beeinträchtigung seiner körperlichen Funktionen besteht.

Wie Sie Ihren Schaden bei der Verkehrsopferhilfe geltend machen können

Einen Verkehrsunfall, der den oben genannten Voraussetzungen entspricht, können Sie als Geschädigter bei der Verkehrsopferhilfe melden. Dazu existiert online ein Formular, welches Sie nutzen können. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, einen schriftlichen Antrag an die Verkehrsopferhilfe zu stellen.

Innerhalb von drei Jahren müssen Sie als Geschädigter Schadensersatzansprüche anmelden. Verstreicht diese Frist, sind Ihre Ansprüche verjährt und ein Schadensersatz kann nicht mehr geltend gemacht werden.

Wenn Sie einen schriftlichen Antrag stellen wollen, können Sie dies formlos tun. Machen Sie auf dem Antrag unbedingt Angaben zu Ihrer Person sowie zum Unfallgeschehen. Wichtig ist außerdem, dass Sie Tatzeit und -ort sowie die Schäden am Kfz angeben. Dazu bietet es sich an, dem Antrag Fotos beizulegen. Sofern die Daten des Unfallverursachers bekannt sind, sollten Sie auch diese im Antrag anführen. Der Antrag kann an folgende Adresse versandt werden:

Verkehrsopferhilfe e. V.
– Entschädigungsstelle –
Wilhelmstraße 43 / 43 G
10117 Berlin

Unfall im Ausland: Die Verkehrsopferhilfe entschädigt

Die Dokumentation der Schäden ist auch wichtig, wenn die Verkehrsopferhilfe für Schäden im Ausland aufkommen soll.

Die Dokumentation der Schäden ist auch wichtig, wenn die Verkehrsopferhilfe für Schäden im Ausland aufkommen soll.

Vor allem für Opfer von Unfällen im Ausland ist die Verkehrsopferhilfe die erste Anlaufstelle. In den letzten Jahren wurde die Klärung von Entschädigungen bei Unfällen im Ausland immer einfacher.

Alle Autoversicherer sind innerhalb der EU durch einen Schadenregulierungsbeauftragten in anderen Mitgliedstaaten vertreten. Jeder Geschädigte hat so in seinem Heimatland einen Ansprechpartner.

Innerhalb von drei Monaten muss der Schadenregulierungsbeauftragte oder die Versicherung ein Entschädigungsangebot vorlegen oder mitteilen, warum eine Entschädigung nicht erfolgen kann. Verstreicht diese Frist, kann der Geschädigte die Verkehrsopferhilfe kontaktieren. Gleiches gilt auch, wenn die zuständige Versicherung nicht ermittelt oder das gegnerische Fahrzeug nicht identifiziert werden kann.

Ist es im Urlaub zu einem Unfall gekommen, sollten Sie allerdings nicht sofort die Verkehrsopferhilfe kontaktieren. Ihr erster Ansprechpartner sollte der Zentralruf der Autoversicherer sein. Über eine telefonische Abfrage und die Übermittlung des Kennzeichens des Unfallverursachers können Sie die zuständige Versicherung ausfindig machen. Dort müssen Sie zunächst versuchen, den Schaden zu regulieren.
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (50 Bewertungen, Durchschnitt: 4,20 von 5)
Loading...
{ 0 Kommentare… add one }

Neuen Kommentar verfassen